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Rene Herboth     
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 Mustafa Kemal ATATÜRK

Hürriyet ve bağımsızlık benim karakterimdir.

Die Freiheit und Unabhängigkeit bilden mein Charakter

24.04.1921 Mustafa Kemal Atatürk

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Das Leben und die Werke Atatürks werden für die Türkei und für alle Länder der Welt eine Inspirationsquelle bleiben

Atatürk'ün yaşamı ve icraatları, Türkiye'nin ve Dünya'nın geleceğine ışık tutmaktadır.

Rene Herboth, Alanya                                 

Lebenslauf von Mustafa Kemal Atatürk;
"dem Vater der Türken"

ATATÜRK

Wurde am 19.Mai 1881 in Thessaloniki geboren.
Sein Vater Ali Rıza Efendi und seine Mutter Zübeyde Hanim nannten ihn Mustafa. Seine Grundschulzeit verbrachte er in Thessaloniki, in der neu eröffneten Efendi Schule, seine Mittelschulzeit in der Thessaloniki Militär Mittel Schule und besuchte später die Militärhochschule.

Im Jahre 1899 ging er nach Istanbul und trat in die Militärschule ein. ab und wurde zur fünften Armee nach Damaskus geschickt.Dort gründete er einen Verein, der sich "Vaterland und Freiheit " nannte.Dieser Verein strebte hohe und fortschrittliche Ziele an.1907 wurde er zur dritten Armee nach Monastir versetzt.Dort schloß er den Verein "Vaterland und Freiheit" mit der bereits etablierten Vereinigung " Einheit und Fortschritt" zusammen.Am 13.April 1909, nach den "Vorfällen vom 31.März" kam er in Istanbul an als Personalchef der "Operations-Armee", der er selbst diesen Namen gab.Die von der Armeekommandateur an das Volk von Istanbul herausgegebenen Proklamation war von Mustafa Kemal verfaßt.

1911, nachdem die Italiener militärische Landungen in Tripolis unternommen hatten, ging er dorthin, um einen Guerillakrieg zu führen.Dann 1912, als der Balkankrieg begann, kam er über Rumäniennach Istanbul.Er leistete wichtige Dienste bei der Rückeroberung von Dimetoka und Edirne.

Der 1.Weltkrieg brach aus, während er Militärattache in Sofia war.1915 erang er große Erfolge in Canakkale und Anafartalar.Gegen Ende des Jahres 1917 begleitete er den Kronprinzen Vahdettin Efendi bei einer Reise nach Deutschland.Am 31.Oktober 1918 wurde er zum commandeur der "Blitz-Armeen-Gruppe"ernannt.Er sah die Einfahrt der feindlichen Flotte nach Istanbul.Nach Abschluß seiner Vorbereitungen und ohne seine wirklichen Absichten irgend jemanden außer einigen engen Freunden zu verraten, ging er am 19.Mai 1919 als Militärinspekteur nach Samsun.Er schickte ein Telegramm an den Großwesir Damat Ferit Papa, um gegen dessen Preisgabe der Freiheit der Türkei zu protestieren. Am 22.Juni 1919 in seiner Proklamation an die gesamte Nation erklärte er, es sei notwendig, daß die ganze Nation zur Bekämpfung des Feindes zusammenarbeite, um Freiheit und Unabhängigkeit zu erlangen.Vor dem Kongreß in Erzurum ( 23.Juli - 7.August 1919) verzichtete er auf alle seine offiziellen Titel und Dienstgrade. Von dem Kongreß in Sivas am 4.September 1919 wurde er zum Vorsitzenden der "Repräsentantenversammlung" gewählt." Am 23. April 1920 versammelte sich die " Große-National -Versammlung " in Ankara.

Er wurde zum Vorsitzenden des " Exekutivrates" gewählt, welcher von der Versammlung mit seinen Aufgaben betraut wurde. Er erklärte der ganzen Welt, daß die Türkei das Abkommen von Sevres nicht anerkenne, welches vorsah, das Territorium der Türkei aufzuspalten und unter den alliierten Ländern zu verteilen Er rief den Unabhängigkeitskrieg aus. In der ersten und zweiten Schlacht bei Inönu wurden die Griechen zum Rückzug gezwungen. An den Ufren des Flusses Sakarya fügte der leitende Kommandant Mustafa Kemal Papa dem Feind schwere Verluste zu. Die Türkische Große Nationalversammlung verlieh Mustafa Kemal den Rang eines Marschalls und den Beinamen " Gazi" (Kriegsheld).Nach dem "Großen Angriff", den er am 26.August 1922 begann, und als Folge des Sieges bei der "Schlacht des Oberkommandierenden" am 30.August 1922 war der Feind vollständig überwältigt und gezwungen zu fliehen.

Bei der Beendigung der Verfolgung, die bis zum 9.September dauerte zwang die türkische Armee den Feind in das (Ägäische) Meer in Izmir. Am 11.Oktober 1922 wurde der Waffenstillstand von Mudanya unterzeichnet.

Am 1.November 1922 wurde das "Sultanat", mit anderen Worten die Herrschaft des Sultans abgeschafft. Am 24.Juli 1923 wurde der Vertrag von Lausanne unterzeichnet.Die türkische Nation hatte den Frieden und die Unabhängigkeit errungen.Am 29.Oktober 1923 wurde die " Republik" ausgerufen und Mustafa Kemal wurde zum ersten Ministerpräsident gewählt. Atatürk war nicht nur als Soldat erfolgreich.Auch als Staatsmann war er ein weitsichtiges Genie. Er sah alle Bedürfnisse der türkischen Nation voraus; in dieser Periode seines kurzen Lebens stürmte er immer weiter vorwärts, um unaufhörlich zu erneuern und fortzuschreiten und ohne Pause lehrte er sein Volk zu arbeiten, selbstbewußt und stolz auf sich zu sein.Atatürk war ein großartiger Lehrer.Er gab sich nicht mit militärischen und politischen Siegen zufrieden.

Er unterstrich, daß die Vorbedingung für Freiheit wirtschaftliche Unabhängigkeit sei, indem er sagte, " Ohne wirtschaftliche Unabhängigkeit gibt es keine nationale Unabhängigkeit". Das Kalifat ( die religiöse Führerschaft der osmanischen Sultane) wurde am 3.März 1924 abgeschafft.Die Religion und die Staatsgeschäfte wurden voneinander getrennt..

ataturk portre ataturk portre

Am 17.Februar 1926 wurde das Zivilrecht eingeführt. Atatürk trug am 24.August 1925 einen westlichen Hut anstelle der osmanischen Kopfbedeckung. Am 25. November wurde das Hutgesetz erlassen.

Die Uhrzeit, der Kalender und die Maße wurden den international geltenden angeglichen.

1924 wurden entsprechend dem neuen Gesetz der "Vereintheitlichung der Schulbildung" die Religionsschulen geschlossen.

1928 wurde das arabische Alphabet abgeschafft und an seiner Stelle das lateinische eingeführt.
 

Um Sprach- und geschichtliche Studien durchführen zu können wurden 1931 respektive 1932 der Türkische historische Verband und der Sprachverband gegründet.Nach der Erlassung des Gestzes, das den Frauen ihre Rechte zusicherte wurde am 21.Juni 1934 das "Familiennamen - Gesetz" verabschiedet.Die "der zehnte oder Steuer auf die Ernteerträge" genannte Steuer wurde abgeschafft, wodurch die Bauern und Landarbeiter von einer großen Bürde befreit wurden.Den Dorfbewohnern wurden Fonds, Saatgut und landwirtschaftliche Geräte zur Verfügung gestellt."Landwirtschaftliche Kredit Kooperativen" wurden gegründet.

Die industrielle Revolution wurde mit dem "Gesetz zur Förderung der Industrie" gestartet. Berufsschulen wurden an vielen Orten eröffnet.Neben anderen staatlichen Organisationen wurden die "Etibank" und die "Sümerbank"gegründet, um die Bodenschätze abzubauen und um Textilien und Schuhe zu produzieren.Die "Große türkische Nationalversammlung" (Türkiye Cumhuriyeti Millet Meclisi) erließ am 24.November 1934 ein Gesetz, um dem Präsidenten Gazi Mustafa Kemal Papa den Nachnamen "Atatürk"(das bedeutet " Vater der Türken") zu verleihen.

Atatürk ging aus jedem Kampf, den er um der Nation willen einging, erfolgreich hervor. Sein Körper jedoch war durch dieses Leben voller Streß müde geworden.Obwohl er krank war, kümmerte er sich weiter um die Angelegenheiten des Landes.Der große Retter trat am 10.November 1938 um 9.05 Uhr seinen ewigen Schlaf an.Am 19.November wurde sein Sarg mit dem Kriegsschiff "Yavuz" von Sarayburnu (Seraglio Point) nach Izmit und von dort mit dem Zug nach Ankara gebracht.Sein Leichnam wurde in einem Marmorsarg im Ethnografischen Museum aufgestellt.Später, am 10.November 1953 wurde er von dort in einer ergreifenden Zeremonie zum "Anytkabir" (Mausoleum) an die Stätte seiner ewigen Ruhe überführt.

Atatürk Museum in Ankara

MUSTAFA KEMAL ATATÜRK in Bad Kreuznach

Atatürks Deutschlandreise und die Geschichte der deutsch-türkischen Beziehungen

   

Das Eiserne Buch der Stadt
Bad Kreuznach
In dem Kurhaus von Bad Kreuznach begegneten sich nach dem Zweiten Weltkrieg, am 26. November 1958, der französische Staatspräsident Charles de Gaulle und der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer zur Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich. Aber auch schon zuvor, als das Gebäude noch das Große Hauptquartier beherbergte, war das Kurhaus Zeuge bedeutender historischer Begegnungen. Während des gemeinsamen Deutschlandbesuches von dem Gründer und ersten Staatspräsidenten der Republik Türkei, Mustafa Kemal Atatürk (1881-1938), und dem osmanischen Thronfolger Mehmed Vahdeddin im Dezember 1917 hielt sich die türkische Delegation in dem Großen Hauptquartier, das in diesem Gebäude untergebracht war, auf.

Und so finden sich in dem Eisernen Buch der Stadt Bad Kreuznach die Unterschriften der türkischen Delegation und auf dem Einband des Eisernen Buches ist das Siegel des osmanischen Padischahs Abdulhamit II. zu sehen.

80 Jahre nach diesem Besuch, am 23. April 1997, wurde auf Initiative des Generalkonsuls der Republik Türkei in Mainz, Gürsel Demirok, mit Unterstützung des Oberbürgermeisters der Stadt Bad Kreuznach, Rolf Ebbeke und den Besitzern des Parkhotels Kurhaus, Monika und Gojko Loncar, zur Erinnerung an Atatürk im heutigen Parkhotel Kurhaus eine Gedenktafel enthüllt und ein Saal nach Atatürk benannt. In dem Atatürk-Salon wird mit

Dokumenten und Fotografien, die türkischen und deutschen Archiven entstammen, das Leben Atatürks dargestellt und die von ihm eingeleiteten und durchgeführten Reformen sowie die jüngere Geschichte der deutsch-türkischen Beziehungen vorgestellt.

Um die Bedeutung dieses Besuches verstehen zu können, sollte man einen kurzen Blick auf die Geschichte der Deutsch- Türkischen Beziehungen werfen.


Albeni-Chef René Herboth
im Mustafa Kemal Atatürk Salon in Bad Kreuznach

Geschichtlicher Rückblick:

Die Geschichte der deutsch-türkischen Beziehungen lässt sich ungefähr 800 Jahre in die Vergangenheit zurückverfolgen. Im 19. Jahrhundert begann ein neuer Abschnitt in diesen Beziehungen. Zu dieser Zeit entwickelten sich die politischen Beziehungen zunehmend auch hin zu einer militärischen und technischen Zusammenarbeit, eine Entwicklung, die durch den Bau der Bagdadbahn noch verstärkt wurde.


Kaiser Wilhelm II. maß der deutsch-türkischen Freundschaft und Zusammenarbeit eine ganz besondere Bedeutung bei. Am 21. Oktober 1889, ein Jahr nach seiner Thronbesteigung, und am 5. Oktober 1898 besuchte er Istanbul. Beide Male wurde er von dem osmanischen Padischah Abdulhamid II. mit einem großem Zeremoniell empfangen. Eine Erinnerung an diese Freundschaft ist der Deutsche Brunnen auf dem Sultan-Ahmet-Platz in Istanbul.Wilhelm II. ließ diesen Brunnen bauen und machte ihn Abdulhamid II. zum Geschenk.

Im Ersten Weltkrieg waren das Deutsche und das Osmanische Reich Verbündete. Deutsche Generäle hatten an vielen Stellen der türkischen Front das Kommando. Auf Einladung von Sultan Mehmet Resad besuchte Kaiser Wilhelm II. am 15. Oktober 1917, gegen Ende des Krieges, Istanbul zum dritten Mal. Bei diesem Besuch trug er eine türkische Uniform und eine hohe türkische Pelzmütze..


Das Deutsche Brunnen in Istanbul

Atatürks Deutschlandreise

(Siehe auch: Mehmet Önder, "Atatürks Reise nach Deutschland", Ankara 1981)

Nach seiner Rückkehr lud Kaiser Wilhelm II. Sultan Mehmet Resad nach Berlin ein, den deutschen Kriegsfronten einen Besuch abzustatten. Da der 73-jährige Sultan kränkelte, schickte er an seiner Stelle seinen Thronfolger Mehmed Vahdeddin. Zu der Delegation, die vom 19. -31. Dezember 1917 Deutschland besuchte, gehörte als Vertreter der türkischen Armee auch General Mustafa Kemal Pascha (Atatürk). General Mustafa Kemal hatte in den Kämpfen um die Dardanellen als "Held von Anafartalar und Retter Istanbuls" großen Ruhm erlangt.


Atatürk with German and Turkish officers during the Battle of the Dardanelles
 


General Liman von
Sanders und Atatürk

Nach dem Dardanellenkrieg hatte Mustafa Kemal Pascha in Ostanatolien als Kommandeur des 16. Armeekorps, als Befehlshaber der 2. Armee an der kaukasischen Front und danach als Befehlshaber der 7. Armee in Syrien und auf dem Sinai große Erfolge. Kaiser Wilhelm II., die deutsche Generalität aber auch die deutsche Öffentlichkeit wussten um diese Erfolge und die herausragenden Fähigkeiten Mustafa Kemal Paschas..

In seinem Brief vom 17. Juli 1915 bezeichnete General Liman von Sanders, der während des Dardanellenkrieges die 5. Osmanische Armee befehligte, Mustafa Kemal, damals ein junger Oberst von 34 Jahren, als einen "besonders fähigen, tüchtigen und tapferen Offizier." Wegen seiner herausragenden Siege während des Ersten Weltkrieges wurde General Mustafa Kemal von dem Deutschen Reich mit dem Eisernen Kreuz II. Ranges ausgezeichnet. Als nun die türkische Delegation am 19. Dezember 1917 via München mit dem Zug in Bad Kreuznach ankam, wurde General Mustafa Pascha von den deutschen Offizieren große Achtung entgegengebracht. Am Bahnhof wurde die osmanische Delegation von Prinz Waldemar und den Generälen empfangen. Der Thronfolger nahm im Wagen des Prinzen Waldemar Platz und Mustafa Kemal im Wagen von Generalleutnant Baron von Süsskind.
 

Man fuhr direkt zum Großen Hauptquartier. Der weite Platz davor war mit türkischen und deutschen Fahnen geschmückt und rechts vor dem Hauptquartier war eine Kompanie angetreten. Bei Eintreffen der Gäste, begann eine Militärkapelle die osmanische Sultanshymne zu spielen. Nachdem der Thronfolger und Mustafa Kemal Pascha ihre Fahrzeuge verlassen hatten, wurden sie von Kaiser Wilhelm II. dem deutschen Heerführer, Generalfeldmarschall von Hindenburg, dem Generalstabschef der 7. Armee, Erich Ludendorff, und anderen Generälen begrüßt.


Der Kaiser sagte zu Mustafa Kemal Pascha, der ihm von dem Thronfolger vorgestellt wurde: "Sind Sie nicht der Befehlshaber von Anafartalar und der Kaukasusfront? Ich kenne Sie sehr gut." Nach Abschreiten der Ehrenfront betraten alle das Hauptquartier. Bei den Mahlzeiten andiesem Tag kamen sowohl der Thronfolger als auch General Mustafa Kemal Pascha zugesonderten Gesprächen mit Hindenburg und General Ludendorff zusammen. Auf dem vondem Kaiser gegebenen Bankett, wurde über die deutsch-türkische Freundschaft und die militärische Zusammenarbeit gesprochen. Man erhob die Gläser auf das Fortbestehen der traditionellen Freundschaft. Aufmerksam lauschte Kaiser Wilhelm II. den Ausführungen Mustafa Kemal Paschas über den Krieg. Er bedeutete seinen Generälen, sich noch näher mit ihm auseinanderzusetzen und zu unterhalten. Am 20. Dezember 1917 reisten die Gäste nach Straßburg und besuchten von dort aus den Frontabschnitt bei Colmar nahe der französischen Grenze und am 21. Dezember 1917 die deutsche Südwestfront im Elsaß.


Atatürk mit Eisernem Kreuz


Unterschriften der Türkischen
Delegation im Eisernen Buch

An beiden Orten sprachen sie mit den dort stationierten Generälen und Offizieren über die Lage an der Front. Mustafa Kemal Pascha sagte bei diesen Gesprächen, dass er keine Hoffnung habe, dass ein deutscher Angriff Erfolg haben werde. Er vertrat damit eine recht realistische Ansicht. Die Delegation blieb für einen Tag in Straßburg und begab sich dann zur Waffenfabrik der Firma Krupp nach Essen. Der Eigentümer Krupp von Bohlen empfing die Gäste und führte sie durch das Werk. Anschließend gab er in der Villa Hügel ein Essen.


Am 23. Dezember 1917 kamen der osmanische Thronfolger und Mustafa Kemal Pascha in Berlin an und stiegen als Gäste Kaiser Wilhelms II. im Hotel Adlon ab. Während ihres Aufenthaltes in Berlin statteten sie auch der Kaiserin im Schloß Bellevue einen Besuch ab.

Auf Einladung der Kaiserin besuchten sie eine Operettenaufführung in der kaiserlichen Oper und auch die Schlösser und Museen. Im Hotel Adlon gaben der osmanische Thronfolger und Mustafa Kemal Pascha eine Pressekonferenz. Sie betonten dabei, dass sich die traditionelle deutsch-türkische Freundschaft zunehmend vertieft habe, drückten ihre Zufriedenheit über ihren Deutschlandbesuch und ihren Besuch an der Westfront aus und erklärten, dass die Zusammenarbeit für beide Länder immer von Nutzen sein werde.

Am 1. Januar 1918 wurde an den Balkanexpress, der von einem Berliner Bahnhof abfuhr, ein Sonderwagen angehängt und mit großem Zeremoniell wurde die türkische Delegation bei ihrer Rückreise verabschiedet.

Unter Verwendung seiner Aufzeichnungen hat Atatürk seine Erinnerungen an diese Reise, die am 15. Dezember 1917 in Istanbul begonnen hatte und am 4. Januar 1918 wieder in Istanbul endete, neun Jahre später in einer türkischen Zeitung veröffentlicht. Die Gespräche mit Kaiser Wilhelm II. und der deutschen Generalität nehmen dabei einen wichtigen Platz ein.

Kaiser Wilhelm II. verlieh General Mustafa Kemal Pascha kurz nach seinem Deutschlandbesuch das preußische Ordensband 1. Klasse mit Schwertern.

Auch im sozialen Bereich führten die engen Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu gegenseitiger Hilfe. Als im Jahre 1918 das Hochwasser der Nahe die Stadt Bad Kreuznach überflutete, schickte Sultan Resad zur Wahrung der guten Beziehungen, die sich aus der "Waffenbrüderschaft" entwickelt hatte, eine Spende von 10.000 Mark. Als im gleichen Jahr ein großer Brand in Istanbul wütete, spendete die Stadt Bad Kreuznach ihrerseits 2.000 Mark für die Geschädigten.

Die Gründung der Republik Türkei

Nach Ende des Ersten Weltkriegs kehrten die deutschen Offiziere und Soldaten, die in der osmanischen Armee gekämpft hatten, nach Deutschland zurück. Als Befehlshaber der Blitztruppen gab Mustafa Kemal Pascha in dem Rundschreiben vom 1. November 1918 den türkischen Soldaten die Anweisung, "den deutschen und österreichischen Offizieren und Soldaten, mit denen wir 4 Jahre lang gemeinsam gekämpft haben, bei ihrer Rückkehr in die Heimat jede Hilfe zu gewähren und ihnen die türkische Gastfreundschaft zu erweisen".

Das türkische Volk widersetzte sich der Besatzung des Osmanischen Reiches, die nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens von Mudros am 30. Oktober 1918 begann.Um den Widerstand zu organisieren, fuhr Mustafa Kemal Pascha mit dem Schiff "Bandirma" nach Samsun am Ufer des Schwarzen Meeres und landete dort am 19. Mai 1919. Mit diesem Tag beginnt der Nationale Befreiungskampf des türkischen Volkes und der Widerstand gegen die Besatzungsmächte in Anatolien. Nach verschiedenen Zusammenkünften in anatolischen Städten wurde am 23. April 1920 in Ankara das Parlament, die Große Türkische Nationalversammlung, eröffnet. Mustafa Kemal Pascha wurde zum Parlamentspräsidenten gewählt. Damit wurde dem nationalen Freiheitskampf ein demokratisches Fundament gegeben, er wurde an die Souveränität des Volkes geknüpft.
 


Atatürk vor der Großen Türkischen
Nationalversammlung beim Ramadanfest


I. Inönü mit anderen Delgierten
nach der Unterzeichnung des
Friedensvertrags
von Lausanne 1923

Der Friedensvertrag von Sèvres, abgeschlossen zwischen dem osmanischen Staat und den Alliierten am 10. August 1920, wurde nach dem Ende des Befreiungskampfes revidiert, und am 24. Juli 1923 wurde der Friedensvertrag von Lausanne unterzeichnet. Mit diesem Vertrag erhielt die türkische Nation ihre Freiheit und Unabhängigkeit. Am 29. Oktober 1923 wurde die Türkische Republik ausgerufen. Einstimmig wählte das Parlament Atatürk zum Staatspräsidenten. Die Republik Türkei wurde aufgebaut auf den beiden Prinzipien, "die Staatsgewalt geht uneingeschränkt vom Volke aus" und "Frieden im Lande und Frieden in der Welt."


Um die Türkei dem Niveau der zeitgenössischen westlichen Zivilisation anzupassen, leitete Atatürk im gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und rechtlichen Bereich eine Reihe von Reformen ein. Anstelle der alten zusammengebrochenen Ordnung entstand nach der Gründung der Republik eine neue. Gesellschaft und Staat erhielten eine Ordnung, die den Bedürfnissen des sozialen Lebens entsprach. Atatürk sah dabei das Tragen eines Hutes statt eines Fes' als ein Mittel, um westliche Werte in die türkische Gesellschaft einzuführen. Eine weite Reform, mit demselben Ziel, war die "Schriftreform". Anstelle der nahezu tausend Jahre lang genutzten arabischen Schrift, wurde das lateinische Alphabet eingeführt, das dem Türkischen mehr entspricht und leichter zu lernen ist.

 

Atatürk erkannte, dass die Sicherung der Zukunft für die türkische Republik durch eine gute Ausbildung der türkischen Jugend gewährleistet sei. Bei jeder Gelegenheit betonte er die Zuversicht, die er in die Jugend hatte, und er vertraute ihr die Republik an. Er widmete der Jugend den 19. Mai 1919, den Tag des Beginns des Nationalen Befreiungskampfs, und den 23. April 1920, den Tag der Eröffnung der Großen Türkischen Nationalversammlung, den Kindern.

In der Türkei werden jedes Jahr der 19. Mai als "Fest der Jugend und des Sports" und der 23. April als "Fest des Kindes und der Nationalen Unabhängigkeit" gefeiert.


Wahlrecht für türkische
Frauen, Parlamentswahlen 1935


Durch die Reformen Atatürks erhielt die türkische Frau eine gleichberechtigte Stellung in der Gesellschaft, mit den entsprechenden Rechten und Freiheiten. Das türkische Zivilrecht von 1926 und die Gewährung sowohl des aktiven als auch des passiven Wahlrechts im Jahre 1934 gab den türkischen Frauen eine Stellung, die Frauen in vielen westlichen Ländern zu dieser Zeit noch nicht hatten. Die Türkei war damit ihrer Zeit voraus. Bei den Wahlen im Jahre 1935 wurden 18 Frauen in das Parlament gewählt.

Die Deutschen-Türkischen Beziehungen zur Zeit des Staatspräsidenten Atatürks

Die deutschen-türkischen Beziehungen zur Zeit des Staatspräsidenten Atatürks
Nach der Republikgründung in Deutschland und in der Türkei wurden mit dem am 30. März 1924 in Ankara unterzeichneten Deutsch-Türkischen Freundschaftsabkommen die politischen und diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern neu bestimmt. Rudolf Nadolny wurde von Deutschland als Botschafter in die Türkei entsendet. Die Türkei entsendete Kemalettin Sami Pascha als Botschafter nach Deutschland.


Am 16. Juni 1924 übergab Nadolny dem Staatspräsident Mustafa Kemal Pascha sein Beglaubigungsschreiben. Von türkischer Seite maß man dem Akt der Übergabe dieses Dokuments eine große Bedeutung bei. In seiner Ansprache sagte Nadolny, dass er stolz sei auf die Aufgabe, die ihm bei der Wiederaufnahme der offiziellen deutsch-türkischen Beziehungen übertragen worden sei. Er hob dabei hervor, dass er aus dem "Neuen Deutschland" in die "Neue Türkei" gekommen sei. Er sagte weiterhin, dass die freundschaftlichen Gefühle des deutschen Volkes für das türkische Volk weiter Bestand hätten, und dass man in Deutschland die türkischen Errungenschaften der letzten Jahren bewundere. Staatspräsident Atatürk hob seinerseits die Bedeutung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern für die Türkei gegenüber dem Botschafter hervor und betonte, dass vor allem der Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen sehr wichtig sei.

Nachdem am 13. Oktober 1923 Ankara zur neuen Hauptstadt der türkischen Republik wurde, war Deutschland das erste Land, das in Ankara ein Botschaftsgebäude errichtete. Bei seinen Besuchen der neu eingerichteten Botschaften stattete Präsident Mustafa Kemal der deutschen Botschaft am 9. Februar 1925 den ersten Besuch ab.
 


Der deutscher Botschafter Nadolny (2. v.r.) vor der Großen Türkischen Nationalversammlung


Türkische Studenten in Deutschland - 1933

Nach dem Tod von Friedrich Ebert wurde Paul von Hindenburg zum Reichspräsidenten gewählt. Am 12. Mai 1925 schrieb er an Mustafa Kemal Pascha, dass er bestrebt sei, die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei beizubehalten und auch weiter auszubauen. Botschafter Nadolny überbrachte Mustafa Kemal Pascha das Schreiben, und dieser erzählte ihm dabei von seinen Erinnerungen an die Deutschlandreise im Jahre 1917 und die damals stattgefundenen Gespräche mit von Hindenburg.

Auch Reichspräsident von Hindenburg erzählte dem türkischen Botschafter Kemalettin Sami Pascha bei ihren Gesprächen in Berlin, dass er im Jahre 1917 in Bad Kreuznach General Mustafa Kemal Pascha persönlich kennengelernt und gesprochen habe, und dass es ihn freue, dass dieser Mann die türkische Republik gegründet habe und zum Staatspräsidenten gewählt worden sei.

In Deutschland wurden die von Atatürk eingeleiteten Reformen mit großem Interesse betrachtet. In einem Bericht des Botschafters Nadolny über die Kleiderreform wurde diese von ihm als wichtiger Beweis für die Bemühungen um eine Europäisierung der Türkei bewertet. In dieser Zeit lässt sich eine kulturelle Annäherung zwischen den beiden Ländern feststellen. Die in der Türkei tätigen deutschen Experten und die in Deutschland tätigen und studierenden Türken waren die Grundlage der kulturellen Beziehungen. Der deutsche Maler Arthur Kampf kam im November 1927 nach Ankara, um ein Ölgemälde von Atatürk anzufertigen und dieses hängt noch immer im Präsidialamt in Ankara. Der deutsche Biograf Emil Ludwig, der im Jahre 1929 von Atatürk empfangen wurde, berichtete über diese Begegnung später: "Mein Gespräch mit dem Gazi war so beeindruckend, dass es mir unmöglich ist, es in ein oder zwei Worte zu fassen. Die ganze Welt kennt den Gazi durch seine Taten. Aber in meinem Gespräch habe ich eine der Welt unbekannte Wesensart des Gazis gesehen. Er ist nicht nur ein Mann der Tat, sondern ebenso auch ein Denker."
 

In dieser Zeit bildeten die Wirtschaftsbeziehungen den wichtigsten Bereich der deutsch- türkischen Beziehungen. Bei den Einfuhren und Ausfuhren in und aus der Türkei sowie bei den Investitionen nahm der Anteil Deutschlands kontinuierlich zu. Auch in den militärischen Beziehungen konnte eine Annäherung festgestellt werden. So waren deutsche Offiziere in der türkischen Armee, und türkische Offiziere und Militärschüler wurden in der deutschen Armee ausgebildet. Es gab auch deutsche Investitionen in der türkischen Rüstungsindustrie, und die Türkei kaufte Rüstungsmaterialien in Deutschland.

 


Prof. Carl Ebert am
Konservatorium in Ankara 1937


Deutsche Soldaten bei den
Beisetzungsfeierlichkeiten
Atatürks in Ankara - 1938

Atatürk folgte den Entwicklungen in Europa aufmerksam. Er hatte die Auffassung, dass durch den Vertrag von Versailles keines der Probleme, die zum Ersten Weltkrieg geführt hatten, gelöst worden sei. Er glaubte im Gegenteil, dass sich durch den Vertrag die Kluft zwischen den Parteien noch vergrößert habe. Er vertrat die Meinung, Deutschland solle nach einem Weg aus diesem Vertrag suchen. Als Atatürk am 27. September 1932 dem amerikanischen Generalstabschef Mac Arthur seine Ansichten darlegte, sagte er: "Meiner Meinung nach ist das Schicksal Europas, wie in der Vergangenheit so auch in Zukunft, eng mit der Politik Deutschlands verbunden. Wenn dieses dynamische, fleißige, disziplinierte 70-Millionen-Volk weiterhin einer politischen Atmosphäre ausgesetzt ist, die seine nationalen Gefühle anstachelt, so wird es früher oder später einen Weg finden, um sich von dem Versailler Vertrag zu befreien."

Reichspräsident von Hindenburg wiederum nahm jede Gelegenheit war, die Bedeutung der historischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern hervorzuheben. In seinem Glückwunschschreiben zum 10. Jahrestag der Gründung der Republik Türkei an Staatspräsident Atatürk, vom 26. Oktober 1933, betonte er seine Ansichten: "Mit mir zusammen und mit aufrichtiger Sympathie hat das ganze deutsche Volk die unter Ihrer hervorragenden Führung vollzogene Gründung des modernen türkischen Staates verfolgt. Wir Deutsche haben mit großer Bewunderung gesehen, wie Sie, Herr Präsident, es verstanden haben, das türkische Volkstum neu zu wecken, zu festigen und Ihrer arbeitsamen und aufbauwilligen Nation mit kluger Hand den Weg zu einem politischen und wirtschaftlichen Aufstieg zu bahnen, einem Weg, der in der ganzen Welt Anerkennung gefunden hat.

Es ist mir ein besonderes Bedürfnis, Eurer Exzellenz zu versichern, dass das deutsche Volk die in schweren Zeiten erprobte Freundschaft mit der türkischen Nation niemals vergessen, sondern stets bewahren und vertiefen wird."
 

Die Türkei zeigte auch während der Entwicklungen in Deutschland nach 1933 dem deutschen Volke ihre Freundschaft. Deutsche Wissenschaftler, Juristen, Schriftsteller und Ingenieure bekamen in der Türkei politisches Asyl. Diese Menschen trugen Wertvolles bei im rechtlichen, kulturellen, medizinischen und landwirtschaftlichen Bereich der Türkei. Einer der Wissenschaftler, Prof. G. Kessler, drückte seine Dankbarkeit dem türkischen Volke gegenüber so aus:

"Ich werde dem edlen türkischen Volke auf immer dankbar sein". Unter den Ärzten, die Atatürk während seiner Krankheit behandelten, waren auch deutsche Ärzte wie z. B. Prof. Dr. Bergmann. Der Tod Atatürks am 10. November 1938 wurde wie überall auf der Welt auch in Deutschland mit tiefer Trauer aufgenommen. An den Trauerfeierlichkeiten nahm Deutschland mit dem Kreuzer Emden, der auch im Jahre 1929 in Istanbul war, teil. In der deutschen Presse erschienen Nachrufe auf Atatürk, die sein Werk würdigten. L. Schmidt-Dumont würdigte in der "Deutschen Allgemeinen Zeitung" vom 11. November 1938 die Erfolge als Soldat, Staatsmann und Reformer des Gründers der neuen Türkei Mustafa Kemal Atatürk. Er schrieb: "In Mustafa Kemals Laufbahn gab es keinen Fehlschlag. Er erkannte die wirkliche Lage der Dinge und die angemessenen Mittel. Er erkannte auch den richtigen Moment des Eingreifens ... dieser Mann schien einmalig und unersetzlich. Der künftigen Zeit mag es vorbehalten sein, seine historische Größe zu ermessen."

Viele deutsche Diplomaten, Wissenschaftler, Schriftsteller und Journalisten haben Mustafa Kemal Atatürk vor und nach seinem Tod in ihren Werken gewürdigt. Deutsche Künstler haben sein Porträt gemalt und Statuen angefertigt. In dem Buch "Atatürk aus deutscher Sicht" schreibt der frühere deutsche Botschafter in Ankara, Dr. Dirk Oncken: "Wenn die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei heute eng und vielfältig sind, dann gehen die Ursprünge dessen, auch auf das zurück, was Atatürk im Dienst für sein Volk diesem und anderen als Orientierung vorgab: Frieden und Aussöhnung in Ehren, gegenseitiges Verstehen, Wissen um den legitimen Anspruch des Anderen."

Mit Achtung und Bewunderung gedenkt man in Deutschland, wie auch in anderen Ländern Atatürks als eines erfolgreichen und fortschrittlichen Soldaten, Staatsmannes, Reformers und Denkers.
 


Atatürks Mausoleum in Ankara

"DIE DEUTSCHEN SIND EINE AUSSERGEWÖHNLICH DYNAMISCHE, FLEISSIGE UND DISZIPLINIERTE NATION. NICHT VERTRÄGE SONDERN GEFÜHLE VERBINDEN DIE VÖLKER EINER NATION. OHNE KUNST IST SIE VON EINER IHRER LEBENSADERN ABGETRENNT."

MUSTAFA KEMAL ATATÜRK

Quelle: Türkische Botschaft Berlin

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